Reisebericht Sanibel, Florida » Schnellimbissbuden sucht man auf Sanibel vergebens

Die beiden Inseln (Sanibel und Captiva) zeichnen sich aus durch ihre wunderschönen Strände, dem guten Wetter und die beeindruckende Natur. Doch das ist nicht das einzige was einem beim Besuch auffällt. Hier ist so einiges anders als in den meisten Urlaubsgebieten Floridas. So ist es kein Wunder, dass man hier keine Kettengeschäfte findet. Auf Sanibel und Captiva gibt es nicht nur keine Hotelketten (abgesehen vom Holiday Inn), sondern auch nicht die typischen Klamottenketten, anstatt findet man hier kleine Boutiquen. Imbissbuden passen daher auch nicht wirklich auf die Insel und so sucht man die typisch amerikanischen Fast Food Restaurants vergeblich. Doch das wäre beinahe nicht der Fall gewesen…

Anfang der 90er wollte die wohl bekannteste Schnellgaststätte Mc Donalds auch auf Sanibel ein Restaurant eröffnen. Doch dies stieß nicht wirklich auf Begeisterung bei den Inselbewohnern. Diese protestierten regelrecht und wollten auf keinen Fall zulassen, dass Mc Donalds auf der Insel seine Bic Macs und Hamburger verkaufen durfte. Hier die Geschichte, wieso man auf Sanibel heute keine Fastfood-Kette findet.

es gibt keine fastfoodketten auf SanibelIm Dezember 1992 gab Mc Donalds seine Pläne bekannt, dass sie planten auf Sanibel eine ihrer Filialen zu errichten. Sie kauften ein Grundstück auf dem Periwinkle Way für mehr als eine halbe Millionen Dollar (gegenüber dem Bailey’s Supermarkt, wo heute die SunTrust Bank steht). Als die Pläne bekannt wurden, gingen die Anwohner auf die Barrikaden. Schnell bildete sich eine Interessensgemeinschaft, die sich selbst „McSpoil“ nannten, die sich dafür einsetzten, dass es kein Mc Donalds auf Sanibel geben würde. Auch die Hotels schlossen sich ihrer Meinung an, da sie der Meinung waren dies würde nicht zu ihrem Urlaubsverkaufskonzept „dem Trubel entfliehen“ passen. Natürlich waren auch die Restaurantbesitzer dagegen, da sie die Konkurrenz fürchteten. Selbst eine Umfrage in der Grundschule ergab, dass mehr als die Hälfte der Schüler kein McDonalds auf ihrer Insel haben wollten.

Auch unter den Urlaubern wurde das Thema Mc Donalds diskutiert. So gingen zahlreiche Leserbriefe bei den Zeitungen ein. Urlauber brachten in den Briefen ihre Unzufriedenheit über den Bau zum Ausdruck. Sie meinten der sonst so beliebte Fastfood-Gigant wäre auf der Insel fehl am Platz und würde den idyllischen Urlaub, fern ab vom Alltag irgendwie stören. Mc Donalds ignorierte die Proteste und wich nicht von seinem Vorhaben hab. Doch die McSpoil-Gruppe gab sich nicht ganz so einfach geschlagen und wandte sich mit einer cleveren Strategie an die Insel-Verwaltung. „McSpoil“ war sich durchaus bewusst, dass der Kampf gegen einen solchen Riesen nicht ganz einfach war und setzten sich deshalb dafür ein, dass auf der Insel keine Drive-Through-Schalter (Durchfahrschalter) erlaubt werden sollten. Unter dem Vorwand, dass dies nicht zum Stil und dem Leben auf der Insel passen würde. In Wirklichkeit wollte man das Kerngeschäft treffen und hoffte, dass sich dann ein solches Restaurant nicht rechnen würde. Die Stadtverwaltung bestellte daraufhin zwei unabhängige Gutachten und kam zu dem Schluss, dass die Zulassung von Durchfahrschaltern zur Folge haben könnte, dass die Insel seine Einmaligkeit verlieren könnte. So wurde 1993 das Gesetz verabschiedet, so dass so genannte Drive-Throughs auf der Insel nicht erlaubt sind. Mc Donald klagte gegen dieses Gesetz zwei Jahre lang und gab bekannt, dass sie auch ohne den sonst typischen Drive-Through ihr Restaurant öffnen würden. Doch zu Weinachten 1995 ließ der Konzern plötzlich seine Pläne fallen.

Das Thema jedoch beschäftigte die Stadtverwaltung weiter. Und brachte 1996 ein weiteres Gesetz heraus, so dass so genannte „Konzept Formel“-Restaurants (Restaurants mit mehr als drei Niederlassungen, die das gleiche Menü besitzen, deren Angestellte die gleiche Uniform tragen und auch die Einrichtungen entsprechend abgestimmt sind) keine Zulassung auf der Insel bekommen. So wird man wohl auch in der Zukunft keine Restaurantketten hier finden. Meiner Meinung nach, schön zu wissen, denn all diese strickten Regeln machen die Insel zu dem heutigen Ferienort. Er unterscheidet sich positiv von den meisten bekannten Ferienorten. Hier ticken die Uhren noch anders. Gerade hier fällt es nicht schwer vom Alltag und den alltäglichen Gewohnheiten für kurze Zeit Abschied zu nehmen. Es tut uns gut hier einen Gang zurückzuschalten zu können, sich Zeit nehmen zu können (auch das Essengehen wieder zu genießen anstatt eilig zu essen) und einfach nur den Urlaub zu genießen um zu entspannen.

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